Mehrere internationale Unternehmen und Forschungsinstitute investieren derzeit massiv in die Entwicklung von Feststoffbatterien, um die nächste Generation von Energiespeichern für Elektrofahrzeuge marktreif zu machen. Das Konzept gilt als äußerst vielversprechend, befindet sich aber weiterhin in einer entscheidenden Entwicklungsphase: Viele Fortschritte wurden bereits im Labor und mit ersten Prototypen erzielt, die breite Serienproduktion steht jedoch noch aus.
Besonders hervorzuheben ist die Partnerschaft zwischen Volkswagen und dem US-amerikanischen Batterieentwickler QuantumScape. Gemeinsam arbeiten die beiden Unternehmen an Feststoffzellen mit keramischem Separator, die künftig höhere Energiedichten, eine kürzere Ladedauer und mehr Reichweite ermöglichen sollen. Volkswagen testet die Technologie bereits in ersten Demonstrationsprojekten, unter anderem in einem elektrischen Ducati-Motorrad. Langfristig soll der Feststoffakku in das Format der sogenannten VW-Einheitszelle integriert werden.
Auch Mercedes-Benz arbeitet intensiv an der Integration von Feststoffbatterien in seine künftigen Elektrofahrzeuge. Der Premiumhersteller aus Stuttgart startete gemeinsam mit dem US-Zellhersteller Factorial Energy im Jahr 2025 erste Straßentests mit den Akkus in einem modifizierten EQS-Testfahrzeug. Nach Angaben des Unternehmens konnte das Fahrzeug dabei mehr als 1.200 Kilometer ohne Ladestopp zurücklegen. Zusätzlich kooperiert Mercedes mit dem chinesischen Hersteller Farasis Energy, dessen Feststoffzellen perspektivisch Energiedichten von bis zu 400 bis 500 Wattstunden pro Kilogramm erreichen könnten. Zum Vergleich: Viele heutige Lithium-Ionen-Batterien liegen je nach Zellchemie und Bauweise bei etwa 150 bis 250 Wh/kg.
Ein weiterer bedeutender Akteur auf diesem Gebiet ist Toyota. Der japanische Automobilhersteller gilt seit Jahren als Vorreiter in der Batterieforschung und verfolgt einen konsequenten Innovationskurs. Toyota plant, bis spätestens 2028 serienreife Feststoffbatterien in ausgewählten Modellen einzusetzen. Angestrebt sind von Anfang an Ladezeiten von 10 bis auf 80 Prozent in nur 10 Minuten sowie Kapazitätssteigerungen auf mehrere zehntausend Fahrzeuge pro Jahr.
BMW arbeitet ebenfalls an der Technologie und testet derzeit Feststoffzellen des US-Unternehmens Solid Power in Versuchsfahrzeugen. Dabei werden unterschiedliche Zellkonzepte untersucht, unter anderem Varianten mit Silizium- oder Lithium-Metall-Anoden. Diese sollen langfristig Energiedichten von rund 390 Wh/kg beziehungsweise bis zu 440 Wh/kg ermöglichen.
Darüber hinaus investieren auch Hersteller wie Nissan, Stellantis, Hyundai, Ford und Porsche in die Entwicklung von Feststoffakkus. Porsche kooperiert beispielsweise mit dem kroatischen Sportwagenhersteller Rimac und dem taiwanesischen Batterieunternehmen ProLogium. Nissan wiederum hat bereits eine Pilot-Produktionslinie für eigene Feststoffbatterien aufgebaut und bereitet die nächsten Schritte in Richtung Serienfertigung vor.
Feststoffbatterien aus China: Große Ziele, offene Fragen
Auch chinesische Unternehmen treiben die Entwicklung von Feststoffbatterien stark voran. Huawei soll an Batterien auf Sulfidbasis arbeiten, die theoretisch eine Reichweite von 3000 Kilometer und eine Aufladung in fünf Minuten ermöglichen könnten – konkrete Praxisdaten fehlen jedoch noch. Chery stellt Feststoffakkus mit bis zu 1.300 Kilometern Reichweite in Aussicht, während CATL zwar Energiedichten von rund 500 Wh/kg für erreichbar hält, aber bei der Massenproduktion noch große Herausforderungen sieht. Darüber hinaus zeigt Nio mit seinem Ultra-Langstrecken-Akku, dass besonders hohe Reichweiten technisch näher rücken, auch wenn es sich dabei nicht um eine klassische Feststoffbatterie handelt.
Setzt Tesla auf Feststoffbatterien?
Tesla verfolgt bislang einen anderen Weg und setzt weiterhin auf optimierte Lithium-Ionen-Zellen, etwa die 4680-Rundzelle mit flüssigem Elektrolyt. Diese ist bereits serienreif und industriell skalierbar, erreicht aber nicht die theoretisch möglichen Energiedichten von Feststoffbatterien. Dass auch Tesla und BMW weiterhin moderne Rundzellen einsetzen, zeigt: Die Feststoffbatterie hat großes Potenzial, der breite Serieneinsatz dürfte aber noch einige Jahre dauern.